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Schiene

Drei Bauarbeiter bei Arbeiten auf einer Bahnstrecke.
Eisenbahnbrücke bei Chemnitz  © iStock | Kai Michael Neuhold / VG Bild-Kunst

Sachsen ist ein Land mit großer Eisenbahngeschichte. So wurde im April 1839 zwischen Leipzig und Dresden die erste Fernbahnstrecke Deutschlands eröffnet. Heute verfügt Sachsen über ein Eisenbahnnetz von rund 2.600 km Länge und hat damit die höchste Schienennetz-dichte aller Bundesländer.

Der Freistaat setzt sich kontinuierlich für die Entwicklung der Schieneninfrastruktur in Sachsen ein. Dabei geht es vordergründig um die Elektrifizierung und den Ausbau vorhandener Streckenabschnitte. 

Übersicht Schieneninfrastrukturprojekte im Freistaat Sachsen
Übersicht Schieneninfrastrukturprojekte in Sachsen  © SMWA

Der Freistaat setzt sich kontinuierlich für die Entwicklung der Schieneninfrastruktur in Sachsen ein. Dabei geht es einerseits um den Ausbau vorhandener Streckenabschnitte, andererseits verfolgt Sachsen auch eine Aktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken.

Streckenausbau

Ausbaustrecke Dresden – Bautzen – Görlitz

Bahnsteig mit zwei Gleisen
Bahnhof Bautzen  © DB Netz AG/Jörn Daberkow

Die Elektrifizierung der Strecke Dresden – Bautzen – Görlitz ist, verbunden mit der Anhebung der Geschwindigkeit auf bis zu 160 km/h, Grundvoraussetzung zur Durchführung von Fernverkehr sowie für einen durchgehenden, grenzüberschreitenden Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Die konkreten Projektziele sind:

  • Neubau einer 3 kV DC-Oberleitungsanlage im Bahnhof Görlitz
  • Neubau einer 110 kV 16,7 Hz Bahnstromleitung, Neubau von Unterwerken zur AC-Stromversorgung
  • Maßnahmen an Ingenieurbauwerken (Eisenbahnüberführungen, Straßenüberführungen, Stützwände)
  • Maßnahmen an Verkehrsanlagen und Bahnkörpern infolge Elektrifizierung sowie Geschwindigkeitsanhebung
  • Anpassung der Leit- und Sicherungstechnik infolge Geschwindigkeitsanhebung

Im November 2018 hat der Bund die Strecke in den Potentiellen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes eingeordnet und einer Finanzierung aus Bedarfsplanmitteln des Bundes nicht stattgegeben.

Angesichts der regionalen sowie übergeordneten Bedeutung der Strecke für den Freistaat Sachsen hat das SMIL das Vorhaben unbenommen davon vorangetrieben, indem die Finanzierung der Projektplanungen im westlichen Streckenabschnitt zwischen Dresden, Bischofswerda und Demitz-Thumitz in den Leistungsphasen 1 bis 3 HOAI sichergestellt wurde. Entsprechende Planungsvereinbarung sind mit der DB InfraGO AG als Vorhabenträgerin der Maßnahme unterzeichnet worden.

Nach intensiven fachlichen und politischen Bemühungen strebt das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Laufe des Jahres 2026 eine Überprüfung der in 2018 getroffenen Entscheidung an.

Ausbaustrecke Leipzig – Geithain – Chemnitz

Gewässer mit einer Brücke im Hintergrund
Göhrener Viadukt  © DB Netz AG/Louisa Behnke

Angesichts der Anbindung von Chemnitz an Leipzig bzw. an den Fernverkehr kommt der Elektrifizierung und dem Ausbau der Strecke Leipzig – Geithain – Chemnitz eine herausgehobene Bedeutung zu. Auf Grundlage einer im November 2018 getroffenen Entscheidung des Bundes ist die Strecke in einen Nordabschnitt Leipzig – Bad Lausick – Geithain und einen Südabschnitt Geithain – Chemnitz unterteilt worden. Elektrifizierung und Ausbau des Nordabschnittes sollen über das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) erfolgen. Der Südabschnitt Geithain – Chemnitz hingegen ist Bestandteil des Vordringlichen Bedarfs des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP). Da das BVWP-Vorhaben allerdings auf die ausschließliche Elektrifizierung des bestehenden und damit weitestgehend eingleisigen Streckenbandes limitiert ist, beabsichtigt der Freistaat Sachsen, den Streckenabschnitt – unter Einsatz von Bundesmitteln nach Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sowie sächsischer Landesmittel – zweigleisig auszubauen.

Zur Beschleunigung der einzelnen Vorhaben hat sich der Freistaat Sachsen in den vergangenen Jahren dazu entschieden, die Planungsleistungen finanziell zu unterstützen.

Ausbaustrecke Cottbus – Görlitz

Bahnhof mit mehreren Gleisen und drei Bahnsteigen
Bahnhof Görlitz  © DB Netz AG/Jörn Daberkow

Als einzig verbliebene durchgehende Nord-Süd-Verbindung in der Lausitz nimmt der Eisenbahnkorridor zwischen Berlin und Görlitz mit seinem Verlauf durch die Länder Brandenburg und Sachsen einen hohen verkehrlichen Stellenwert ein, stellt allerdings in seiner Gesamtrelation zum aktuellen Zeitpunkt lediglich ein Stückwerk mit nicht einheitlichen, geringen Geschwindigkeiten zwischen 120 und 160 km/h sowie nicht elektrifizierten und eingleisigen Streckenabschnitten dar.

Angesichts der prognostizierten Steigerung des Verkehrsaufkommens sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr ist die zeitnahe Verwirklichung eines möglichst zweigleisigen Ausbaus und einer durchgehenden Elektrifizierung von besonderer Bedeutung, um die strukturpolitischen Effekte des Kohleausstieges zu kompensieren und die Ansiedlung neuer Unternehmens- und Technologiezweige zu unterstützen.

Die Finanzierung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG). Das Vorhaben befindet sich aktuell in der Grundlagenermittlung.

Ausbaustrecke Dresden – Berlin

Baustelle der Schienenverbindung Dresden – Berlin.
Streckenabschnitt zwischen Blankenfelde und Wünsdorf in Brandenburg  © DB Netz AG

Bis Ende 2033 werden 125 Kilometer der Strecke von Berlin nach Dresden für Geschwindigkeiten bis 200 km/h ausgebaut. Brücken und Unterführungen werden alle Bahnübergänge ersetzen. Außerdem wurden und werden die Gleisanlagen und die Oberleitung erneuert. Die Ausbaustrecke wurde bereits komplett mit dem Europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS ausgestattet. Das ETCS ist ein einheitliches Zugsicherungssystem für den europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Die Reisezeit im Fernverkehr wird sich durch den infrastrukturellen Ausbau erheblich verkürzen. Die Finanzierung erfolgt aus dem Bundesverkehrswegeplan.

Bis Ende 2020 wurden bereits rund 70 der 125 Kilometer langen Strecke für die erhöhte Geschwindigkeit ausgebaut. Die Ausbaustrecke ist als Teil des transeuropäischen Bahnkorridors auch von überregionaler Bedeutung. Der Schienenkorridor verbindet die strategisch wichtigen Häfen der Nord- und Ostsee mit dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer.

Ausbaustrecke Dresden – Leipzig

Baustelle neben einem ICE auf der Schiene.
Bahnhof Weißig  © DB Netz AG/Julian Beck

Mit dem Ausbau der Strecke Dresden – Leipzig auf eine Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h und der damit verbundenen Reduzierung der Fahrzeiten wird für Sachsen eine bessere Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet, das Ruhrgebiet und in Richtung München erreicht. Die Beseitigung von Bahnübergängen soll einem besseren Verkehrsfluss dienen. Mit dem Ausbau entstehen höhere Kapazitäten im internationalen europäischen Schienengüterverkehr. Die Finanzierung erfolgt aus dem Bundesverkehrswegeplan.

Zwischen Riesa und Leipzig ist die Strecke fertiggestellt. Zwischen Riesa und Dresden laufen noch Baumaßnahmen. Offen ist noch der Umbau des Knotens Riesa, wo derzeit noch Planungsarbeiten laufen. Der Baubeginn soll 2029 und die Fertigstellung 2033 sein.

Sachsen-Franken-Magistrale

Gleis, welches neben einem Bahnsteig verläuft.
Bahnhof Chemnitz-Mitte  © DB Netz AG/Jörn Daberkow

Die Sachsen-Franken-Magistrale erstreckt sich über rund 288 Kilometer und verbindet mit den Streckenabschnitten Dresden – Hof und Leipzig – Werdau Sachsen mit Bayern. Die Strecken werden grundlegend erneuert, um sie an die geltenden technischen Anforderungen und an die künftigen Anforderungen des Personennah- und Fernverkehrs sowie des Güterverkehrs anzupassen. Mit den umfassenden Ausbaumaßnahmen wird die Streckengeschwindigkeit auf 160 km/h erhöht. Somit können Reise- und Transportzeiten verkürzt werden. Die Finanzierung erfolgt aus dem Bundesverkehrswegeplan.

Auf der sächsischen Seite ist der Abschnitt Reichenbach – Dresden bis auf den Knoten Zwickau fast vollständig fertiggestellt. Der Teilabschnitt von Werdau Richtung Leipzig wird aktuell ertüchtigt. Mit dem Abschluss der Elektrifizierung zwischen Reichenbach und Hof im Dezember 2013 verbleibt die Notwendigkeit des elektrischen Lückenschlusses auf bayerischer Seite sowohl nach Nürnberg als auch nach Regensburg. Für den wachsenden Schienengüterverkehr und die perspektivische Wiederbelebung eines Schienenpersonenfernverkehrs unterstützt der Freistaat Sachsen eine schnelle Realisierung der Elektrifizierungs- und Ausbaumaßnahmen auf bayerischer Seite.

Anbindung Chemnitz an Fernverkehr

Intercity im Bahnhof
Intercity im Hauptbahnhof Chemnitz  © SMWA

Im Juni 2022 wurde die neue umsteigefreie Fernverkehrsanbindung von Chemnitz in Richtung Berlin gestartet. Damit konnte das Ziel des Freistaates Sachsen zur Wiederanbindung der drittgrößten sächsischen Stadt Chemnitz und des gesamten südwestsächsischen Raumes an den Fernverkehr in diesem Jahr umgesetzt werden.

Täglich rollen je Richtung zwei Intercity-Züge von Chemnitz über Dresden nach Berlin sowie nach Rostock. Finanziert wird der Abschnitt von Chemnitz nach Dresden vom Freistaat Sachsen

Reaktivierung stillgelegter Strecken

Insbesondere nach der Bahnreform von 1994 wurde hierzulande auf zahlreichen Strecken der Verkehr eingestellt. Einige der Strecken könnten erfolgreich wiederbelebt werden.

Durch die Aktivierung von Schienenstrecken soll ein positiver Beitrag zur Umwelt- und Klimaverbesserung geleistet sowie die Erreichbarkeit des ländlichen Raumes und der lokalen Zentren verbessert werden.

Auf Grundlage eines erstellten Basisgutachtens konnte im Jahr 2021 eine Erstbewertung von 21 potentiell zu aktivierenden sächsischen Eisenbahnstrecken vorgenommen werden. Abgeleitet von den Ergebnissen des Basisgutachtens werden zunächst die folgenden Schienenstrecken intensiv und detailliert auf ihre Potenziale untersucht:

  • Strecke Döbeln – Nossen – Meißen
  • Strecke Marienberg – Pockau-Lengefeld
  • Strecke Beucha – Brandis – Trebsen
  • Strecke Kamenz – Hosena (wird nunmehr über das Investitionsgesetz Kohleregionen umgesetzt)
  • Strecke Löbau – Ebersbach (zzgl. optionaler Strecke Niedercunnersdorf – Oberoderwitz)
  • Strecke Großbothen – Rochlitz – Narsdorf (Muldentalbahn)

Die Untersuchungen der genannten Strecken wurden mittels weiterer Potentialanalysen, Infrastrukturkonzeptionen und -planungen vertieft, um unter anderem die Voraussetzungen für infrage kommende Förderungen des Bundes, im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG), zu schaffen.

Für eine erfolgreiche Aktivierung einer Schienenstrecke bedarf es einerseits einer infrastrukturellen Instandsetzung und Instandhaltung. Andererseits muss die langjährige Bestellung und Finanzierung der zusätzlichen Verkehrsleistungen durch die zuständigen kommunalen Zweckverbände als Aufgabenträger des SPNV sichergestellt werden. Dies setzt auch die Bereitschaft des Bundes voraus, weitere Regionalisierungsmittel für den ÖPNV zur Verfügung zu stellen, um die im Bundes-Klimaschutzgesetz festgesetzten Klimaziele im ÖPNV zu erreichen.

Döbeln – Meißen

Die Strecke soll für den SPNV reaktiviert werden, mit der Anbindung von Döbeln nach Dresden in ca. 60-70 min. Die Vorplanung ist abgeschlossen und hat ca. 15 Mio. EUR Investitionskosten ermittelt. Ebenso konnte das ermittelte Nutzen-Kosten-Verhältnis (1,62) die Wirtschaftlichkeit belegen.

Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung hat bereits begonnen, große Anlagenteile bedürfen nur der (schnelleren) Plangenehmigung. Im Anschluss soll beim BMV ein GVFG-Antrag in Abhängigkeit vorhandener Bundes- und Landesmittel gestellt werden und die bauliche Umsetzung der Maßnahme beginnen. Bei Vorliegen aller Voraussetzung wäre so eine Inbetriebnahme Ende 2029 möglich

Die langjährige Bestellzusage zur Bestellung einer SPNV-Leistung ist eine weitere Grundvoraussetzung für eine GVFG-Förderung des Bundes.

Marienberg – Pockau

Die Strecke soll für den SPNV reaktiviert werden mit der Anbindung des Mittelzentrums Marienberg an das Schienennetz. Die Vorplanung, von der Erzgebirgsbahn beauftragt und vom Freistaat Sachsen finanziert, ist größtenteils abgeschlossen. Es wird gemäß Potentialstudie (2022) von ca. 15 Mio. EUR Investitionskosten ausgegangen.

Wenn die Nutzen-Kosten-Untersuchung die Wirtschaftlichkeit bestätigt, sind weitere Planungsschritte und ein GVFG-Antrag beim BMV, in Abhängigkeit vorhandener Bundes- und Landesmittel, angedacht. 

Weitere Projekte

Weitere untersuchte Projekte wie Herrnhuter Bahn, Löbau-Ebersbach, Muldentalbahn werden nicht weiterverfolgt, da keine Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden konnte, bzw. die Untersuchung noch andauert (Beucha-Brandis-Trebsen). 

Wer kümmert sich in Sachsen um die nichtbundeseigenen Eisenbahnen, Straßenbahnen und Seilbahnen?

Nichtbundeseigene Eisenbahnen

Die Infrastruktur der nichtbundeseigenen Eisenbahnen umfasst rund 300 Kilometer öffentliche Eisenbahnstrecken sowie Eisenbahnanlagen in den sächsischen Binnenhäfen, in Anlagen des kombinierten Verkehrs sowie rund 150 nichtöffentliche Gleisanschlüsse von Industrie- und Gewerbebetrieben. Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) erteilt die erforderlichen Genehmigungen zum Betreiben einer Eisenbahninfrastruktur bzw. zum Erbringen von Eisenbahnverkehrsdiensten. Zur Zuständigkeit des SMWA zählen zudem die historischen normalspurigen Eisenbahnen, Schmalspurbahnen und Parkeisenbahnen sowie die Zulassung zur Prüfung zum Eisenbahnbetriebsleiter. Die Durchführung der Eisenbahnaufsicht wird im Auftrag des SMWA vom Landesbeauftragten für Eisenbahnaufsicht des Freistaates Sachsen (angesiedelt beim Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle Dresden) übernommen.

Seilbahnen

Das Sächsische Oberbergamt ist Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für den Bau und Betrieb von Seilschwebebahnen und Standseilbahnen. In Sachsen werden derzeit sechs Schwebebahnen (Kabinen- und Sesselbahnen), zwei Standseilbahnen und knapp 100 Schlepplifte betrieben. Für die Schlepplifte sind die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden die unteren Bauaufsichtsbehörden.

Straßenbahnen

In Sachsen gibt es sieben Straßenbahnunternehmen. Die technische Aufsicht über diese Unternehmen übt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) aus und unterstützt das SMWA bei der Erfüllung der Aufgaben der Fachaufsicht im Bereich Straßenbahnwesen.

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